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Unterwegs gesehen.
Roman
In Arbeit.
Es gibt Momente, die wirken zunächst vollkommen harmlos. Ein Montag im Januar, an dem es selbst morgens um acht aussieht, als hätte der Himmel gekündigt. Die Kinder diskutieren über irgendetwas mit Minecraft-Bezug, der Hund sitzt unter dem Tisch und hofft auf Wurst und man selbst glaubt noch, das größte Problem des Tages sei ein Toilettensitz im Gäste-WC, der leicht nach links kippt. Später merkt man, dass genau dort bereits etwas begonnen hat.
Niemand wirft Teller gegen Wände. Draußen fahren weiterhin Autos durch die Siedlung. Menschen kaufen Brötchen. Irgendwo mäht jemand trotz Januar seinen Rasen, was vermutlich weniger mit Notwendigkeit als mit Persönlichkeit zu tun hat. Die Welt besitzt eine fast beleidigende Fähigkeit, einfach weiterzumachen. Und während alles normal aussieht, verschwindet ein Leben langsam aus dem eigenen Alltag. Man hält sich an Routinen fest. An Brotdosen. Hundespaziergänge. Einkaufszettel. Dinge, die funktionieren. Wahrscheinlich weil es einfacher ist, weiterzumachen, als sich einzugestehen, dass längst etwas kaputtgegangen ist. Und irgendwann sitzt man nachts in einem fremden Zimmer und hört einem Mann beim Atmen zu, der einem kurz vorher noch erklärt hat, wie leicht Menschen zu töten seien.
Torsten Luttmann
Geboren 1981. Ausbildung im Groß- und Außenhandel. Lagerhallen. Paletten. Staub in der Luft. Holzsplitter in den Händen. Zahlen auf Papier. Später Marketing in einer Bank. Stabsabteilung. Anzüge. Sitzungen. Termine. Jahre mit Ordnung, aber wenig Substanz. Das ist vorbei. Heute schreibt und fotografiert er. Meist aus der Nähe der Dinge. Ein Tisch. Eine Tasse Kaffee. Rauch im Licht. Hände, die etwas festhalten oder loslassen. Die Kamera ist dabei, aber nicht im Weg. Sie wartet, bis ein Moment still genug wird. Kein großes Ereignis. Eher ein Blick. Eine Bewegung. Eine Pause zwischen zwei Sätzen. Er schreibt darüber. Nicht als Erklärung. Mehr wie eine Spur. Kleine Augenblicke, die sonst verschwinden würden. Schwarzer Kaffee. Echte Momente. Geschichten, die bleiben, wenn der Lärm draußen kurz aufhört.


