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YOU VS. YOU

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Was keiner sieht

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Am Küchentisch.

26. Mai 2026

Am Dienstag danach.

Unterwegs gesehen.

Fotos

Am Nebelhorn.

https://www.torsten-luttmann.de/wp-content/uploads/2026/05/oberstdorf-im-mai-17.jpg 1707 2560 AltenoytherTorsten https://www.torsten-luttmann.de/wp-content/uploads/2026/05/logoj2026.svg AltenoytherTorsten2026-05-10 15:28:052026-05-10 15:28:50Am Nebelhorn.

Roman

In Arbeit.

Es gibt Momente, die wirken zunächst vollkommen harmlos. Ein Montag im Januar, an dem es selbst morgens um acht aussieht, als hätte der Himmel gekündigt. Die Kinder diskutieren über irgendetwas mit Minecraft-Bezug, der Hund sitzt unter dem Tisch und hofft auf Wurst und man selbst glaubt noch, das größte Problem des Tages sei ein Toilettensitz im Gäste-WC, der leicht nach links kippt. Später merkt man, dass genau dort bereits etwas begonnen hat.

Niemand wirft Teller gegen Wände. Draußen fahren weiterhin Autos durch die Siedlung. Menschen kaufen Brötchen. Irgendwo mäht jemand trotz Januar seinen Rasen, was vermutlich weniger mit Notwendigkeit als mit Persönlichkeit zu tun hat. Die Welt besitzt eine fast beleidigende Fähigkeit, einfach weiterzumachen. Und während alles normal aussieht, verschwindet ein Leben langsam aus dem eigenen Alltag. Man hält sich an Routinen fest. An Brotdosen. Hundespaziergänge. Einkaufszettel. Dinge, die funktionieren. Wahrscheinlich weil es einfacher ist, weiterzumachen, als sich einzugestehen, dass längst etwas kaputtgegangen ist. Und irgendwann sitzt man nachts in einem fremden Zimmer und hört einem Mann beim Atmen zu, der einem kurz vorher noch erklärt hat, wie leicht Menschen zu töten seien.

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Während ich vor einiger Zeit in diesem Sessel saß Während ich vor einiger Zeit in diesem Sessel saß und Nachtzug nach Lissabon las, musste ich daran denken, wie oft ich Dinge nicht gemacht habe. Nicht weil ich sie nicht wollte. Sondern weil ich dachte, man müsste erst bereit sein. Bereit für den Aufbruch. Bereit für die Veränderung. Bereit für den nächsten Schritt. Oder weil ich glaubte, jemand anderes müsse es erst für eine gute Idee halten. 

In dem Buch jedenfalls steigt jemand einfach in einen Zug und lässt sein bisheriges Leben hinter sich. Warum, ist dabei gar nicht der entscheidende Punkt. Interessant fand ich etwas ganz anderes: Dass er überhaupt einsteigt.

Heute glaube ich, dass es immer schon Menschen gab, die genauso wenig wussten, was sie taten wie wir selbst. Sie fingen einfach an und machten es trotzdem. Sie buchten den Zug. Fuhren los. Verliefen sich. Lernten jemanden kennen. Verpassten eine Abzweigung. Nahmen die nächste. Und irgendwann wurde daraus ein Leben, das sie sich vorher wahrscheinlich nie hätten ausdenken können. Vielleicht ist das ja schon das ganze Geheimnis des Lebens. Vielleicht ist es ja deutlich einfacher, als wir denken. Manchmal muss man einfach losgehen.
Ich glaube wirklich, dass das Leben besser wird, w Ich glaube wirklich, dass das Leben besser wird, wenn nicht jeder weiß, wo man gerade ist. Kein „Ey, was machst du?“ Kein „Wo bist du?“ Einfach allein irgendwo draußen sitzen, Kaffee trinken und so tun, als wäre man ein Typ aus Kanada, der gleich Feuerholz hackt und seit ungefähr 14 Jahren niemanden mehr zurückgerufen hat.

Dabei ist man einfach nur kurz verschwunden. Rucksack. Deutschlandticket. Irgendwo draußen sitzen, die Luft riechen und den eigenen Gedanken dabei zuhören, wie sie nach drei Stunden langsam wieder normale Lautstärke erreichen. Dabei starre ich ohne ein Wort auf Bäume und esse ein Wurstbrötchen, als hätte ich kurz vorher selbst was erlegt.

Vielleicht braucht man ja manchmal einfach weniger Menschen und mehr frische Luft.
Irgendwo im Nirgendwo. Eine Jagdhütte, ein bissche Irgendwo im Nirgendwo. Eine Jagdhütte, ein bisschen Regen wäre geil, schlechter Handyempfang perfekt und genau deshalb wahrscheinlich ein erstaunlich guter Ort. Ich glaube ja, ab einem gewissen Punkt im Leben guckt man solche Hütten nicht mehr an und denkt: „Wie lebt man da eigentlich?“, sondern eher: „Was kostet sowas ungefähr?“ 

Und ehrlich gesagt finde ich es auch ganz beruhigend, wenn andere glauben, dort würde irgendwo ein sehr komischer Mann mit Axt wohnen. Hält die meisten Menschen erstaunlich zuverlässig davon ab, vorbei zu kommen. Was denkt Ihr? Ein Ort zum dauerhaften Leben?
Draußen. Leicht verschwitzt, mittelgut frisiert un Draußen. Leicht verschwitzt, mittelgut frisiert und mit einem Rucksack unterwegs, als hätte ich wirklich einen Plan. Ehrlich gesagt laufe ich meistens einfach los. Funktioniert aber erstaunlich gut.
Ich vergesse manchmal, wie gut Regen der Landschaf Ich vergesse manchmal, wie gut Regen der Landschaft stehen kann. Alles wirkt langsamer. Ruhiger. Den Regen hier im Allgäu erlebe ich zum ersten Mal und selbst die Wiesen sehen aus, als hätten sie beschlossen, heute einfach nichts mehr beweisen zu müssen.

Und ich glaube, ich lasse hier oben zwischen Wäldern, Bergen und dieser Ruhe auch etwas zurück, das ich schon viel zu lange mit mir herumgetragen habe. Etwas, das schwer geworden ist. Zu schwer. Und ehrlich gesagt fühlt sich genau das gerade ziemlich gut an. 

Gleichzeitig nehme ich etwas anderes mit nach Hause. Nichts, das man fotografieren oder irgendwo hinstellen könnte. Eher dieses Gefühl, morgens wieder gerne aufzuwachen. Wieder Lust auf Wege zu haben. Auf Geschichten. Auf das, was vor einem liegt. Ich glaube, ich habe hier oben ein kleines Stück von mir wiedergefunden, das irgendwo zwischen Alltag und Gedanken verloren gegangen war.

Vielleicht reicht genau das manchmal schon. Ein bisschen Regen. Berge. Und endlich wieder das Gefühl, im eigenen Leben anzukommen.
Ich weiß langsam, warum mich Wandern in den Bergen Ich weiß langsam, warum mich Wandern in den Bergen so fasziniert. Nicht wegen der Fotos. Nicht nur wegen der Aussicht. Irgendwann hört man auf, einfach nur Strecke zu machen und merkt plötzlich, wie ruhig der Kopf dabei wird. Wegen dieser Ruhe zwischen Wäldern, Wiesen und Himmel. Unten läuft die Welt weiter. Hier oben wirkt plötzlich alles langsamer. Klarer irgendwie. 

Geht ihr eigentlich gerne wandern?

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#wandern #berge #alpen #oberstdorf #allgäu

Torsten Luttmann

Geboren 1981. Ausbildung im Groß- und Außenhandel. Lagerhallen. Paletten. Staub in der Luft. Holzsplitter in den Händen. Zahlen auf Papier. Später Marketing in einer Bank. Stabsabteilung. Anzüge. Sitzungen. Termine. Jahre mit Ordnung, aber wenig Substanz. Das ist vorbei. Heute schreibt und fotografiert er. Meist aus der Nähe der Dinge. Ein Tisch. Eine Tasse Kaffee. Rauch im Licht. Hände, die etwas festhalten oder loslassen. Die Kamera ist dabei, aber nicht im Weg. Sie wartet, bis ein Moment still genug wird. Kein großes Ereignis. Eher ein Blick. Eine Bewegung. Eine Pause zwischen zwei Sätzen. Er schreibt darüber. Nicht als Erklärung. Mehr wie eine Spur. Kleine Augenblicke, die sonst verschwinden würden. Schwarzer Kaffee. Echte Momente. Geschichten, die bleiben, wenn der Lärm draußen kurz aufhört.

Alle Fotos © 2025 Torsten Luttmann - IMPRESSUM | DATENSCHUTZ
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