Es gibt Menschen, die mögen Weihnachten nicht. Menschen, die das Fest schrecklich finden. Und im Grunde genommen, kann ich diese Menschen sogar verstehen. Manchmal wirkt das Weihnachtsfest auf mich stressig. Die Läden sind voll, die Parkplätze noch viel mehr und in den Gesichtern der Menschen steht geschrieben, wie wenig Zeit sie eigentlich haben. Es muss dieses noch besorgt werden und jenes. Der Baum ist noch nicht aufgestellt, die Messe beginnt um fünf – Scheiße – Kein Geschenkpapier im Haus. Und wenn man so Weihnachten feiert, kann ich verstehen, warum man es nicht mag.

Weihnachten ist für viele Menschen, ähnlich wie Silvester, ein Fest, an das viele Erwartungen geknüpft werden. Erwartungen, wie das Fest aussehen muss. Nicht soll. Muss. Alles muss perfekt sein, ähnlich wie im Bilderbuch. Oder in diesen wunderbaren Filmen, in denen es zum Weihnachtsfest immer schneit. Die Realität sieht aber meistens anders aus. Und vielleicht sind dieser gewollte Perfektionismus und der Wunsch, es allen irgendwie Recht zu machen, daran schuld. Vielleicht sollten wie Weihnachten so feiern, wie es fällt. Und vielleicht müssen wir einfach nur ein Stück zurückfahren, abschalten und der Ruhe, die wir uns wünschen, eine Chance geben.

Adventszeit – Weihnachtszeit

Bis vor einigen Jahren kam es mir immer so vor, als stünde das Weihnachtsfest ganz plötzlich vor der Tür. Irgendwie ohne Ankündigung. Es war auf einmal da. Allerdings war das immer ein Irrglaube. Ich habe festgestellt, dass Weihnachten jedes Jahr zur gleichen Zeit stattfindet. Immer im Dezember. Immer zum Ende des Jahres. Und ab heute – 14. Oktober 2017 – sind es noch 70 Tage und ein paar Stunden. Zeit genug, um alles vorzubereiten.

Ja, ich muss gestehen, die Vorfreude auf das kommende Fest setzt so langsam ein. Weihnachten. Für mich als Vater bedeutet das nämlich auch immer: Strahlende Kinderaugen, glückliches Lachen – vielleicht ein wenig Streit – aber prinzipiell eine schöne Zeit. Am 2. Advent stellen wir zusammen mit den Jungs unseren Weihnachtsbaum auf. Wir backen Plätzchen, essen sie und haben eine gute Zeit. Wir spielen viel, lachen viel und erzählen uns Geschichten, die von Weihnachten handeln. Manchmal schauen wir Petterson und Findus.

Der Kamin brennt, sein Licht flackert in der Dunkelheit. Auf den Fensterbänken stehen Kerzen und auch draußen leuchtet warmes Licht. Natürlich wäre es schön, wenn es schneien würde – aber das alleine macht Weihnachten ja nicht aus. Die Geschenke für die Kids und für alle anderen haben wir längst besorgt. Sie liegen versteckt im Haus und warten auf den Heiligen Abend. Am Heiligen Abend selbst essen wir selbstgemachte Burger. Die Zutaten haben wir schon vorher eingekauft. Die letzten frischen Sachen, werden vielleicht noch besorgt, aber Großeinkäufe so kurz vorm Fest? Das brauchen wir nicht.

Jul. Weihnachten.

Früher ging ich an Weihnachten immer zur Kirche. Das mache ich seit einigen Jahren nicht mehr. Und natürlich versuchen mir einige ein schlechtes Gewissen einzureden. Wir feiern Weihnachten, weil Jesus Christus geboren wurde. Das stimmt zwar. Aber nur zur Hälfte. Der Ursprung des Weihnachtsfestes liegt im Fest der Wintersonnenwende. Um ungefähr 500 vor Christus, nutzten die Römer den 25 Dezember um den Geburtstag ihres Sonnengottes Sol zu feiern. Und auch die alten Germanen nutzten dieses Tag und feierten ein Fest, welches Jul hieß, was in den skandinavischen Sprachen übrigens immer noch Weihnachten bedeutet.

Um 400 nach Christi Geburt fanden die damaligen Kirchenoberhäupter das Sonnenwende-Fest ziemlich doof und verboten es kurzerhand. Allerdings war die gesellschaftliche Verankerung des Festes so stark, dass es doch irgendwie Gegenwind gab. Also entschloss man sich kurzerhand dazu, das Fest Jesus zu widmen, denn die Kirche wollte natürlich die Heiden für ihre Religion, das Christentum, gewinnen. Und erst seitdem feiern die Christen am 25. Dezember den Tag Jesu Geburt. Vorher war es das Fest zur Wintersonnenwende. Jul. Weihnachten.

Nicht, dass wir uns falsch verstehen. Ich habe nichts gegen die Kirche, gegen das Christentum und die Bedeutung des Weihnachtsfestes für die Menschen, die der Kirche angehören. Ich selbst bin katholisch, katholisch aufgewachsen und war Jahre lang Messdiener, Lektor und habe mich in der Gemeinde eingesetzt. Auch heute noch bin ich regelmäßig in der Kirche, wenn meist auch aus beruflichen Gründen. Und ich mag die Stimmung, die an Weihnachten in der Kirche herrscht. Die volle Kirche, die lauten Gesänge, das weihnachtlich, Besinnliche. Nur finde ich es falsch, einmal im Jahr in die Kirche zu gehen, nur weil gerade Weihnachten ist und alle irgendwie deswegen in die Kirche gehen. Meine subjektive Meinung.

Weihnachten beginnt für mich, wenn ich Lust auf Weihnachten verspüre.

Es gibt Menschen, die sich darüber beschweren, dass Ende September die Regale voller Weihnachtsartikel stehen. Das ist in Ordnung. Darüber kann man sich beschweren. Muss man aber nicht. Denn aus irgendeinem Grund, stehen die Artikel dann bereits in den Regalen. Wahrscheinlich, weil sie dann gekauft werden. Ich muss gestehen, ich gehöre zu den Menschen, die sich Ende September nicht sonderlich für Weihnachten interessieren. Allerdings gehöre ich zu denen, bei denen es vier Wochen später schon ganz anders aussehen kann. Mitte, Ende Oktober beginnt für mich Weihnachten. Einfach, weil ich mich darauf freue. Weihnachten beginnt für mich, wenn ich Lust auf Weihnachten verspüre. Kurz nach Weihnachten – am 27. oder 28. Dezember ist das Fest für mich nämlich schon wieder vorbei.

Und deshalb kann ich heute sagen, dass ich mich auf Weihnachten freue. Das ich Bock drauf habe. Auf die Kerzen, auf das Licht. Auf den Glanz in den Augen unserer Kinder. Auf die Ruhe, den Frieden, und das, was Weihnachten im Grunde ausmacht: Die Zeit mit der Familie. Ohne Stress. Ohne Hektik. Ohne falsche Erwartungen, die am Ende zu Enttäuschungen führen. Alles kommt, wie es kommt. Und wenn etwas fehlt, dann fehlt etwas. Hauptsache wir haben Zeit. Für uns. Für unsere Kinder. Für Weihnachten.