Es war dieser Montag. 17:45 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Anfang Oktober. Wie gewöhnlich griff ich zu meinem Smartphone und wollte in den sozialen Netzwerken stöbern. Ich wollte sehen, was die Welt mir zu sagen, was sie Neues zu berichten und wie sie sich entwickelt hatte. Doch ich bekam keine Antwort. Die Netzwerke schwiegen. Und es schien mir fast, als lächelte das Leben und schenkte mir Zeit. 

Natürlich suchte ich den Fehler bei mir. Ich überprüfte meine Verbindung zum Internet, startete das Smartphone neu und wunderte mich, dass nichts funktionierte. Aber dann erkannte ich, dass ich keinen Einfluss darauf hatte und akzeptierte den Umstand. Ich kochte mir einen Tee, feuerte den Kamin an und machte es mir vor dem knisternden Feuer bequem. Draußen hatte sich der Tag zur Nacht gewandelt und es wurde langsam still. 

Ich beschloss einen Spaziergang zu unternehmen. Draußen. Abseits von allen. An der frischen Luft. Wenn ich darüber nachdachte, dann schien es mir, als bliebe die Welt stehen. Doch das tat sie nicht. Sie drehte sich, wie sie es immer tat. Das Leben ging weiter. Die Sterne funkelten in der Nacht und durch die Spitzen der Fichten wehte ein leichter Wind. Es roch nach geschlagenem Holz und nasser Erde. Ein Lächeln breitete sich ungesehen aus und verschwand wieder mit dem Flügelschlag der Eule, die zwischen den hohen Bäumen Ausschau hielt. 

In diesen Stunden, in denen die sozialen Netzwerke schwiegen, erschien mir die Welt so, wie sie mir als Kind erschienen ist. Sie war stiller geworden. Ruhiger. Irgendwie gelassener. Und ich erkannte, welchem Druck ich mich immer wieder selbst ausgesetzt hatte. Es war ein ständiges Streben. Ein Rennen und Stolpern. Es war das Brüten über der nächsten Idee, die nächste Story, der nächste Beitrag. Als die Netzwerke schwiegen, öffnete sich eine Tür, die ich lange nicht gesehen hatte. Hinter dieser Tür lächelte das Leben. Es flüsterte mir leise zu, dass ich frei sei und mich für diese Freiheit nur entscheiden müsste. Und ich entschied mich.

Viel zu lange, bin ich dem Algorithmus gefolgt. Viel zu lange glaubte ich, ihn zu brauchen. Aber das stimmt nicht. Es stimmte nie. Die Wahrheit ist, wenn interessiert es schon, wenn wir verschwinden? Es interessiert niemanden. Die Erde dreht sich weiter, das Leben geht weiter und genauso ist es in Ordnung. So ist das Leben. Dinge beginnen. Dinge enden. Manches geht vorbei. Es vergeht einfach. Und das ist okay. Das war es immer.