Im Wald kannst Du atmen. Tief und lang. Wenn Du tief in ihm verschwindest und die Klänge der Gesellschaft keine Möglichkeit mehr haben Dein Ohr zu erreichen, erkennst Du, dass der Wind zwischen den Ästen jene Stille vor sich herträgt, die Dein Innerstes berühren kann. Hier kommst Du zur Ruhe. Hier findest Du Frieden. Wenn die Unruhe verschwunden ist und die Angst überwunden, spürst Du, dass Du etwas taugst. 

Wenn der Tag mit Wolken verhangen ist und sich am Horizont bereits der Regen ankündigt, dann zieht es mich manchmal in den Wald. Die nassen Wege, die verlassenen Routen und das Fehlen von Menschen gefällt mir. Die Einsamkeit zwischen den Bäumen ist es, die mir die Ruhe bringt, nach einem Sommer, der merkwürdig war. Ja, dieser Sommer war merkwürdig. Und wenn alle immer noch von Abstand sprechen, bin ich es, der Abstand von diesem Sommer braucht. Vielleicht wird er eines Tages, in der Nachbetrachtung, vergessen sein. Doch noch wiegt er schwer. Noch wirbelt er Fragen auf, die eine Antwort erwarten. Diese allerdings finde ich nicht im Lärm des Alltages oder in der Hektik der Normalität. Diese Antworten erfordern Stille, Ruhe und das Fehlen von Angst und Stress. 

Nun, wo der Herbst sich deutlich im Laub der Bäume zeigt, werde ich wieder daran erinnert, dass alles vorrübergehend ist. Alles geht vorüber. Auch die Lebenszeit, die wir hier verbringen dürfen. Und obwohl das Leben uns deshalb manchmal unfair erscheint, ist glücklich sein immer noch eine Wahl, die wir selbst für uns entscheiden können. Ja, vielleicht müssen wir selbst mehr Risiken eingehen, weil am Ende kein Risiko einzugehen, doch das größere Risiko sein kann. Vielleicht spielen wir dieses Leben zu sehr auf Sicherheit und verbauen uns damit Möglichkeiten, die uns unseren Träumen ein Stück näherbringen. 

Im Wald kannst Du atmen. Tief. Und lang.