Einmal kochen gehen. Das Kochevent im Küchenstudio Plaggenborg

Im Grunde genommen sind es die Erlebnisse, die haften bleiben. Die Augenblicke, die man intensiv erlebt. Es sind die Erlebnisse, die zu jenen Momenten werden, an die man später gerne zurückdenkt. Und vielleicht sagt man sich dann eines Tages, wenn auch nur zu sich selbst, weißt Du noch?  Manchmal sind es genau diese Erlebnisse, die in Kombination mit gutem Essen die unterschiedlichsten Menschen zusammenbringen, die dann an einem Tisch sitzen und gemeinsam einen neuen Teil der eigenen Geschichte schreiben.

Es ist Donnerstag. Die Sonne hat sich vom Tag verabschiedet und die Stadt in Dunkelheit gehüllt. Die Lichter der Häuser, die von überall gut sichtbar sind, schenken dem Ort diese gefühlte Wärme, obwohl in den Eingangsbereichen und vor den Türen noch der Schnee zu finden ist. Langsam laufen einige Menschen durch die einladende Glastür des Küchenstudios. Oben, in der Galerie, werden sie bereits erwartet. Rüdiger Weck hat alles vorbereitet und ist gerade dabei, Sekt einzuschenken, als die ersten Gäste des Kochevents im Küchenstudio Plaggenborg eintreffen.

Einige Minuten später sind alle da. Einige kennen sich, die anderen lernen sich kennen. In gespannter Erwartung der Dinge, die da kommen könnten, hängen sich alle Teilnehmer des Kochevents ihre Schürzen um. Rüdiger, den alle duzen, als würde man sich ewig kennen, erzählt etwas zum Ablauf. Er spricht von der guten Laune, den Zutaten und dem Leben. Von diesen und jenem. Man hört ihm einfach nur zu, weil man spürt, dass er etwas zu erzählen hat. Und mit jedem Wort merkt man, dass er das, was er erzählt wirklich lebt. Es geht ums Essen. Aber eigentlich um viel mehr. Um das Kochen, das Gefühl, die Zubereitung und die Wertschätzung dessen, was dort vor den gespannten Augen auf den Arbeitsplatten liegt.

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Das Kochevent im Küchenstudio Plaggenborg

Als wären wir alle alte Schulfreunde, verteilt er die Aufgaben. Gemüse waschen, Süßkartoffeln schälen, Glasnudeln zubereiten. Immer wieder gibt er Ratschläge, Tipps und verrät kleine Tricks, auf die man selbst nie gekommen wäre. Und immer wieder öffnet er einem die Augen und man erkennt, was man selbst – in der heimischen Küche – so oft falsch gemacht hat. Aber man fühlt sich dabei nicht schlecht, wie man es vielleicht früher in der Schule tat. Seine Worte sind wie warme Hände, die er einem unterstützend auf die Schulter legt.

Wenige Augenblicke später schneidet, rührt, putzt und kocht die ganze Gesellschaft. Jeder hat etwas zu tun und viele Hände erschaffen ein großartiges Vier-Gänge-Menu. Hausgeräuchertes Lachsfilet auf Glasnudeln mit Babyspinat. Zweierlei vom Rind an Maispüree und Gemüsetürmchen. Medaillons in Rotwein auf Rotweinschalotten. Cannelloni aus Schokoladen-Mousse und eine Tonka-Bohnen-Creme.

Was sich liest, wie ein edles Gericht eines hochdekorierten Restaurants aus einer der Weltmetropolen, schmeckt auch so. Zugegeben. Anfangs war ich skeptisch. Viele Sachen kannte ich gar nicht und einige hatte ich von Anfang an ausgeschlossen. Lachs. Fisch. Ich? Wir würden niemals Freunde werden. Dachte ich. Doch ich täuschte mich. Und zwar enorm.

Manchmal gehen meine Frau und ich essen. Mal hierhin. Mal dorthin. Italienisch, griechisch, oder gut bürgerlich. Manchmal verdrücken wir auch einfach nur ne Pommes, irgendwo in einem Imbiss. Meistens sitzen wir uns dann gegenüber und unterhalten uns. Es ist jedes Mal schön, aber ganz bestimmt kein Vergleich zu dem, was ich bei diesem Kochevent erleben durfte.

Essen gehen und selbst kochen, sind zwei ganz unterschiedliche Sachen. Kochen und Kochen sind es übrigens auch. Denn ob man jetzt alleine, in der eigenen Küche kocht oder zusammen in der Gruppe, mit professioneller Anleitung – das macht einen enormen Unterschied. Ich stand derartigen Veranstaltungen immer skeptisch gegenüber. In der Gruppe kochen. Mit Menschen, die man gar nicht kennt, die man vielleicht noch nie gesehen hat. Nee. Nicht mein Fall. Aber im Grunde ist es ja so: Man muss Sachen, die man nicht kennt und denen man vielleicht skeptisch gegenübersteht, weil einem einfach nur die Vorstellungskraft fehlt oder diese einem ein falsches Bild erzeugt, einfach mal machen.

Gestern war ich alleine dort. Beruflich. Mit meiner Kamera. Und trotzdem war ich mittendrin. Zwischen den Menschen, ganz nah an ihren Geschichten und Erzählungen. Man lachte gemeinsam, kochte gemeinsam und aß gemeinsam. Und ganz ehrlich: Ich kann mich nicht daran erinnern, je so gut gegessen zu haben. Vielleicht lag es an dem „Wir-Gefühl“, vielleicht an der Tatsache, gemeinsam etwas erschaffen zu haben.

Doch letzten Endes spielt es gar keine Rolle. Dieser Abend, dort im Küchenstudio, ist zu einem dieser Erlebnisse geworden, von dem man später sagt – wenn vielleicht auch nur zu sich selbst – weißt Du noch. Und wenn man die Möglichkeit hat, so ein Kochevent zu erleben, dann sollte man sie nutzen. Die Möglichkeit. Denn vielleicht ist es irgendwann zu spät. Weil schon alle Plätze vergeben sind und man nur von draußen zuschauen kann. Wie ich. Nächstes Jahr. Im November. Wenn dort, in der Küche, Burger gebraten werden. Bei diesem Kochevent sind nämlich schon alle Plätze belegt… …. Mist…