Samstag. Der Wetterbericht hatte sich nicht geändert. Immer noch ging mein Smartphone davon aus, dass es regnen wird. Den ganzen Tag. Vielleicht ist es ein klein wenig Verärgerung über den Sommer 2017. Vielleicht ist es aber auch die Hoffnung, auf das Versagen der Technik. Letzten Endes weiß ich es nicht genau, aber irgendwann habe ich aufgehört dem Wetterbericht zuzuhören oder mich auf eine App zu verlassen. Irgendwann habe ich damit angefangen, selbst in den Himmel zu schauen und mir persönlich ein Bild vom Wetter zu machen. Und als ich das, an diesem Tag tat, konnte ich die Sonne sehen. Am Himmel.

Nach einem Kampf liegt er schwer verletzt auf einer Trage. Sein Gesicht total entstellt. Er ist der Sohn von Shmi Skywalker, der Ehemann von Padmé Amidala und der Vater von Luke und Leia. Nur wenige Minuten später ist aus Anakin Skywalker Darth Vader geworden. Und so oft man diese Szene vielleicht auch gesehen haben mag, irgendwie ist man  immer wieder begeistert. So auch an diesem Tag, an dem Yvonne und Jens sich das „Ja-Wort“ geben möchten.

Die Trauung liegt bereits ein paar Stunden zurück, als ich die Wohnung der Beiden betreten. Die Vorbereitungen sind in Gange, von Nervosität, Aufgeregtheit oder der Gleichen ist allerdings nichts zu spüren. Im Gegenteil. Es liegt eine angenehme Ruhe im im Raum, fast so, als hätte die Macht an diesem Tag in dieser Wohnung Einzug gehalten. Vielleicht liegt es einfach daran, dass Star Wars nebenherläuft und wie einen Moment lang gebannt auf den Fernseher schauen. Nur für einen Moment.

Es kann ja nicht immer regnen

Ihre Mädels sind da. Alle. Und gemeinsam bereiten sie sich auf die große Feier auf dem Gut Stedingsmühlen vor. Zugegeben. Es ist etwas chaotisch. Und trotzdem hat alles einen organisierten Ablauf und einen geplanten Zeitplan. Vielleicht liegt das Chaos auch daran, dass ich – als Mann – einfach keinen Durchblick habe, was im Grunde genommen ja auch keine Rolle spielt. Die Mädels haben einen Plan, jeder Handgriff sitzt und ich bin begeistert, erstaunt und wirklich amüsiert zugleich. Die Mädels sind witzig, charmant und sehen fantastisch aus. Vorher als auch nachher. Und wenn man als einziger Mann eine derartige Vorbereitung begleiten darf, ich möchte meinen, dass ist etwas Besonderes.

Der Regen hat sich verzogen. Die hellblaue Farbe des Himmels, die man seit Tagen kaum wahrgenommen hat, zeigt sich in ihrer vollen Pracht. Wobei es zu erwähnen gilt, dass volle Pracht nicht wolkenlos bedeutet und die Gefahr des Regens – wenn man überhaupt von Gefahr sprechen kann – immer noch allgegenwärtig ist. Das allerdings bricht in keiner Weise die Stimmung. Das Lachen der Mädels, die strahlenden Augen und die Vorfreude über den kommenden Tag machen alles einfach wunderbar.  Wunderbare Menschen an einem wunderbaren Tag.

Tanzen, trinken, Fotos schießen.
Und vielleicht auch mal aufs Klo.

Ein kleiner Schauer über Gut Stedingsmühlen. Gerade in dem Augenblick, in dem wir ankommen. Doch der Regen verzieht sich und für den Rest des Abends bleibt es trocken. Jedenfalls vom Himmel aus betrachtet. Auf dem Gut Stedingsmühlen tummeln sich die ersten Gäste. Wir schießen Fotos. Schmuckbilder, wie mir der regionale Chefredakteur einer Tageszeitung kürzlich berichtete. Schmuckbilder. Irgendwie ein schönes Wort, dass mich an die herzlichen Bildchen aus Kindertagen erinnert, die man sich gegenseitig ins Poesie-Album klebte. Allerdings werden die Fotos, die wir an diesem Tag schießen nicht so kitschig und auf keinen Fall so „gestellt“. Natürliche Fotos. Aus dem Augenblick heraus. Eingefangene Augenblicke.

Hinter dem Zelt steigt eine Rauchwolke auf. Minuten später riecht es angenehm. So wie man es kennt, wenn die Nachbarn auf dem Grundstück hinter dem Haus den Grill anwerfen. Man bekommt gleich Appetit und Vorfreude macht sich breit. Zwei Frauen unterhalten sich. Sie sind von der Candy-Bar begeistert und davon, wie herrlich alles arrangiert ist und wie perfekt alles zueinander passt.

Ähnlich sehen es zwei Männer, die allerdings mehr von dem Wasser und den damit verbundenen Möglichkeiten schwärmen. Angeln. Scheinbar ein Hobby der beiden. Und so fachsimpeln sie über Ruten, Haken und Fischarten. Für mich böhmische Dörfer, was meiner Begeisterung für Begeisterung aber keinen Kummer bereitet.

Es wird gegessen, getrunken und getanzt. In der kleinen Fotobox schlüpfen Onkel und Tanten für einen Augenblick in andere Rollen. An der Cocktailbar servieren junge Damen ausgefallene Getränkevariationen. Ein kleiner blonde Junge rennt mit einer aufgeblasenen E-Gitarre, einer „Luftgitarre“ von der Candybar zur Tanzfläche und wieder zurück. Er strahlt und ich bin mir sicher, dass er in ein paar Stunden müde sein wird. Ähnlich sehen das auch ein paar junge Frauen und die Begriffe „niedlich, süß, toll“ fallen des Öfteren.

Bis in die Morgenstunden

Mit dem Eröffnungstanz gaben Yvonne und Jens das Parket frei. Und mit dieser Freigabe füllte sich die Tanzfläche und sie wurde ausgiebig genutzt. Es ist keine Übertreibung, wenn ich sage, dass der Boden gebebt hat. Er bebte. Er wackelte. Und der DJ musste hin und wieder seine Boxen neu ausrichten, weil das Beben der Tanzfläche sie verdreht hatte.

Ich kann nicht sagen, wie lange gefeiert wurde. Ich weiß nicht, wann die letzten das Zelt verließen. Aber als ich ging, war die Stimmung wunderbar. Es wurde gelacht, getanzt und gefeiert. Es wurde gefeiert, während der Mond über dem Gut Stedingsmühlen seine Bahnen zog. Und ob ihn überhaupt jemand gesehen hat? Das weiß ich auch nicht. Aber es spielt auch keine Rolle. An diesem Tag. In dieser Nacht.