Regentropfen wie Bindfäden. Dunkle Wolken an einem noch dunkleren Himmel. Die Straßen sind nass und auf dem Kopfsteinpflaster vor der alten Mühle haben sich tiefe Pfützen gebildet. Es wird an diesem Tag kein anderes Wetter geben. Und doch sieht man die Sonne. In den Augen und in dem Lächeln des Brautpaares. Es mag regnen. Es mag unschön sein. Doch die gute Laune, die lässt sich an diesem Tag niemand vermiesen. Erst recht nicht vom Wetter. Heute wird geheiratet. Punkt. Aus.

Katja ist vollkommen entspannt. Sie freut sich. Auf ihren besonderen Tag. Auf ihre Hochzeit. Und auch wenn draußen der Regen herrscht, so übernimmt er nicht das Kommando an diesem wunderbaren Tag. Auch ihre Eltern sind gelassen. Und irgendjemand ist froh, dass niemand etwas am Wetter machen kann. Wäre dem so, was wäre wohl sonst noch so auf dieser Welt los. Nein. So wie es ist, so ist es gut. Und so wie es ist, so kann es bleiben. Natürlich. Schönes Wetter wäre schöner. Aber wenn dem nicht so ist, ist dem nicht so. Gesagt, mit einem Augenzwinkern.

13:00 Uhr. Gehlenberg. Das Haus an der Hauptstraße ist nicht beleuchtet. Noch ist niemand da. Der Wind hat einen Ast vom Baum gegenüber aus der Krone gerissen. Er liegt halb auf der Straße. Schnell kommt jemand mit einer Kettensäge vorbei und bevor er beginnt, grüßt er mich. Er sagt mir, dass in dem Haus niemand ist. Noch nicht. Sie würden gleich kommen, meint er. Ich bedanke mich und lächle zurück. Dann steige ich in meinen Wagen und warte einen Augenblick. Im Regen stehen schockt nicht. Nicht wirklich. Jedenfalls nicht, wenn man nicht wirklich etwas zu tun hat.

Hochzeits-Shooting in Gehlenberg

Wie gesagt: Es regnet. Den ganzen Tag. Doch zum Glück hat Gehlenberg den Mühlenplatz. Auf diesem befindet sich auch die alte Sägerei und diese hat ein riesiges Vordach, unter dem, als wäre es geplant, zwei altertümliche Wagen vollgepackt mit Stroh stehen. Die perfekte Kulisse an einem Regentag wie diesem. Alle Gäste bleiben trocken. Der Hintergrund sieht wirklich gut aus. Nur der Fotograf muss im Regen stehen. Ich, muss im Regen stehen. Aber das macht mir gar nichts aus. Am Ende zählt das Ergebnis, und für ein gutes Ergebnis kann man schon mal im Regen stehen.

Auch der erste Vorsitzende des Heimatvereins ist da. Am Mühlenplatz. Fast, wie bestellt. Aber wer ihn kennt, der weiß, wie sehr er sich für die alte Sägerei, das Backhaus als auch für die Mühle einsetzt. Er schließt uns alle Türen auf, gewährt uns alle Möglichkeiten, die eben die Räumlichkeiten bieten. Er erzählt uns dieses, jenes und ein paar Geschichten aus längst vergangenen Tagen. In der Halle steht ein altes Feuerwehrauto und die Werkzeuge der alten Sägerei erzählen von alten Handwerkstagen.

Nach einer guten Stunde sind alle Fotos im Kasten. Familienfotos, Fotos mit den Trauzeugen und eben jene Fotos, die zeigen, wie sehr die beiden Herzen füreinander schlagen. Lachende Gesichter, strahlende Augen und glückliche Geesten an einem Tag, an des irgendwie doch nur regnet.

Trauung in Bösel

Die St. Cäcilia Kirche steht mitten im Dorf. Die Straßen und Wege sind aufgrund einer großen Feierlichkeit festlich geschmückt. Langsam rollt der alte Mercedes vor die Tore der Kirche. Hier findet die Trauung statt. Und Stefan Jaspers-Bruns ist der Pfarrer, der sie vollziehen wird. Die Sängerin auf dem Orgelboden hat sich bereits eingesungen, der Organist spielt ein paar Takte auf der großen Orgel. Ihr Klang erhellt die Kirche und so langsam füllen sich die Reihen.

Die Trauung ist festlich. Emotional. In den Augen der Menschen kann man Tränen sehen, während die Sängerin „Ein Kompliment“ singt. Lachende Gesichter überall. Und jedes dieser Gesichter freut sich schon auf die Feier im großen Festzelt. Im Festzelt, dass im Garten der beiden Brautleute aufgebaut wurde. Auch hier ist alles festlich geschmückt und für diesen einen Tag besonders herausgeputzt. Der DJ ist vorbereitet und die Feier kann steigen.

Um Mitternacht ist für mich Feierabend

Es wird gesungen und getanzt. Gegessen und getrunken. Gelacht. Es wird viel gelacht. Und die Musik lockt alle auf die Tanzfläche. Eine Mischung aus alten und neuen Klängen. Eine Mischung für Jung und Alt.  Für jeden ist etwas dabei. Um Mitternacht ruft der DJ zum Schleiertanz. Und nachdem jeder einmal mit der Braut und Bräutigam getanzt hat, ist für mich an diesem Abend Schluss. Ich packe meine Tasche, und fahre nach Hause.

Hier sichere die Daten, lade meine Akkus und freue mich schon auf den nächsten Tag. Denn morgen, am Samstag, wird wieder geheiratet. Dieses Mal in Garrel. Und ich bin dabei. Von Anfang an.