Im Museumsdorf

Geschichte ist etwas lebendiges.

Der Regen, der sich angekündigt hatte, blieb aus. Hier und da nieselte unter dem wolkenverhangenen Himmel, aber das störte mich wenig. Voller Vorfreude fuhr ich Richtung Cloppenburg. Ehrlich gesagt, im Grunde zieht mich nichts in diese Stadt. Und ich wäre ihr ferngeblieben, gäbe es dort nicht das Museumsdorf, welches mich immer wieder von Grund auf beeindruckt. Dort wird Geschichte lebendig und wenn Zeitreisen möglich sind, dann im Museumsdorf.

Ich mag die Gebäude, die historischen Einrichtungen, die Gegenstände, aus längst vergangenen Tagen. Und viel mehr als die Geschichte, interessieren mich die Geschichten, die sie zu erzählen haben. Dort bekomme ich einen Eindruck, wie es gewesen sein muss, in den alten Tagen gelebt zu haben. Vieles war nicht so einfach, wie es heute scheint. Dennoch glaube ich, dass die Menschen früher mehr Ruhe in sich trugen, weil es nie so viele Eindrücke gab, die sie tagtäglich verarbeiten mussten. Heute erschlagen uns Nachrichten, Werbung und unzählbare Impressionen, die uns durch die sozialen Netzwerke erreichen. Damals? Da gab es oft nicht mehr als das Gespräch am Gartenzaun. 

An Tagen wie diesen, an denen das Wetter schwer, nass und ungemütlich erscheint, spaziere ich am liebsten über die alten Wege des Dorfes. Es ist still zwischen den Gebäuden. Nur wenige bis keine Besucher teilen meinen Weg. Ich bin allein zwischen den alten Gemäuern und in den betagten Räumen. Dann habe ich das Gefühl, dass ich die vielen Geschichten, die sich hier zugetragen haben, mit allen Sinnen fühlen zu können. Zwar ist mir bewusst, dass jedes dieser Gebäude zuvor an anderen Orten zu finden waren, trotzdem trägt jeder Raum seine eigene Historie in sich. Und in einem der Räume, steigt mir der Geruch von frisch verbranntem Torf in die Nase.

Wenn ich zum Anfang des Jahres das Museumsdorf in Cloppenburg besuche, kaufe ich mir direkt eine Jahreskarte. Eine Tageskarte gekauft zu haben, daran kann ich mich tatsächlich nicht erinnern. Und es lohnt sich für mich. Die Anfahrt ist nicht so dramtisch und obwohl sich kaum etwas verändert im Museumsdorf, verändert sich ständig alles. Damit meine ich nicht die Renovierungsarbeiten, die immer mal wieder durchgeführt werden müssen. Auch nicht die diversen Ausstellungen, die über das Jahr immer wieder stattfinden. Nein, vielmehr meine ich den Lauf der Jahreszeiten, der die alten Gebäude jedes Mal in einem neuen Licht erstrahlen lässt.

Wenn ich mir tatsächlich etwas wünschen dürfte und jemand würde diesen Wunsch hören, dann wäre es, das Museumsdorf einmal in einer klaren Vollmondnacht besuchen zu dürfen. Zugerne würde ich einige der Gebäude in der Dunkelheit fotografieren, einige der Räume im blassen Mondlicht sehen und ein kleiner Gang über den historischen Friedhof würde mir sicherlich einen kleinen Schauer über den Rücken jagen. Vielleicht erfüllt sich dieser Wunsch ja einmal, im Sommer, wenn der Mond besonders schön leuchtet.