Lockdown

Lockdown. Die Geschäfte sind geschlossen. Niemand fliegt in den Urlaub. Schwimmbäder, Kinos und Cafés bleiben ungeöffnet. Das Vereinsleben ruht fast vollständig. Die Kontakte sind stark eingeschränkt und große Feiern sind aktuell undenkbar. Das Leben kommt zur Ruhe. Eigentlich ist nicht viel anders als im letzten großen Lockdown. Und doch, es fühlt sich anders an.   

Meine Gummistiefel. Die wohl beste Investition des letzten Jahres. Das erste Mal habe ich für derartiges Schuhwerk etwas tiefer in die Tasche gegriffen. Sie waren die Empfehlung eines Freundes, der jagdlich unterwegs ist und mich im letzten Jahr des Öfteren zum Ansitz mitgenommen hat. Meine Schuhe, die ich an einem dieser Treffen trug, quietschten. „Kauf Dir mal Gummistiefel,“ hatte er zu mir gesagt. „Aber nicht unbedingt die Billigen. Gib lieber etwas mehr aus. Es wird sich lohnen.“ Was soll ich sagen? Er hatte Recht.

Sie sind warm. Aus Naturkautschuk. Dadurch sind sie ziemlich flexibel und ich kann weitere Strecken gut in ihnen laufen. Natürlich sind sie wasserdicht, was selbstverständlich eine Grundvoraussetzung für gute Gummistiefel sein sollte. Aber ehrlich gesagt, möchte ich an dieser Stelle gar keine Lobgesänge auf mein Schuhwerk halten. Ich wollte über den Lockdown nachdenken und warum er sich anders anfühlt. Allerdings kann ich das nicht, ohne gleichzeitig an meine Gummistiefel zu denken.       

Lockdown in Gummistiefeln

Dieser Lockdown ist anders. Anders als der Lockdown 2020. Im letzten Jahr wurde das Land im Frühjahr heruntergefahren. Draußen schien die Sonne. Blumen wuchsen an den Wegesrändern. An den Baumen hing das erste frische Laub. Alles wirkte wärmer. Freundlicher. Einfacher. Dieser Lockdown hingegen ist grau. Dunkel. Oft verregnet. Anders als in anderen Gegenden lag hier kein Schnee und die Tage, an denen die Sonne schien und der Himmel freundlich lachte, kann ich an einer Hand abzählen. 

 Dieser Lockdown fühlt sich schwerer an. Bedrückender und bedrohlicher. Und doch ist es, wie es ist und ändern kann ich momentan an dieser Situation nichts. Zu Beginn des Jahres habe ich mir selbst gesagt, dass ich die Krisen-, Um-, und Widerstände annehmen und das Beste daraus machen möchte. Einfach, um meinen Blick nach vorne richten zu können. Und wahrscheinlich bin ich deshalb so froh über meine Gummistiefel. Sie tragen mich nämlich größtenteils durch den Lockdown.

Im Moment suche ich die Wege, die schlammig sind. Die Wiesen, die nass sind. Ich suche die Gegenden, die einsam gelegen und nur selten besucht werden. Ja, in diesen Tagen bin ich einfach gerne draußen. Dort, wo ich nur selten Empfang und noch weniger Netz habe. Die Ecken, in denen mich die Nachrichten und Statusmeldungen nicht erreichen können. Dort kann ich gerade den Lockdown, aber auch das graue, nasskalte Wetter am besten ertragen. 

Meine Lockdown Strategie? Fokus auf das Schöne.

Zugegeben. Es mag komisch klingen, dass ich behaupte, das nasskalte Wetter draußen am besten ertragen zu können. Aber es ist wirklich so, denn wenn ich nicht gerade mit dem Hund spaziere, trage ich meine Kamera bei mir. Und mit dieser fokussiere ich mich immer auf das Schöne, das mich umgibt. Manchmal ist der Weg in einem Wald, manchmal sind es die Regentropfen in den Ästen der Bäume. Es können die fliegenden Kraniche sein oder der Hochsitz am Rand der Wiese. All das sind Dinge, an denen ich mich erfreuen kann und die mir helfen, den Lockdown in diesen Tagen leichter zu ertragen. 

Mein Smartphone lasse ich gerne zu Hause. Ich brauche es nicht. Weil ich draußen eh oft keinen Empfang habe und weil ich die Nachrichten, die mich erreichen, nicht umgehend beantworten bzw. lesen muss. Generell glaube ich einfach, dass wir viel zu oft erreichbar sind und dass diese ständige Erreichbarkeit zusätzlicher Stress ist, den wir vermeiden können und wahrscheinlich auch sollten. Gerade in diesen Tagen. 

Und während ich diese Zeilen schreibe, lacht die Sonne durch mein Fenster. Ein Blick in den Kalender zeigt mir, dass ich heute tatsächlich keinen Termin mehr habe. Also schnappe ich mir jetzt wieder meine Kamera und meine Gummistiefel. Denn auch wenn jetzt die Sonne scheinen mag, die Stiefel werde ich trotzdem brauchen. Und wenn alles gut läuft, dann schieße ich gleich ein paar schöne Fotos. Entweder für Instagram oder für meinen Shop. Der läuft zum Glück auch dann, wenn gerade Lockdown ist.