Sommerspaziergang

Der Herbst war schon immer meine liebste Jahreszeit.

Die Nilgänse sitzen nahezu jeden Tag an dem See. Eigentlich ist es kein See, sondern ein künstlich angelegtes Rückhaltebecken. Hinter diesem befindet sich eine neue Wohnbausiedlung. Mitten in dem Becken liegt eine kleine Insel, auf der, zu den entsprechenden Zeiten, Wasservögel brüten. Am Rande des Beckens hatte die KLJB eine Blühwiese angelegt. Doch irgendjemand meinte es bei den letzten Mäharbeiten zu gut. Sie wurde einfach mitgemäht. Die zahlreichen Blumen und Wildpflanzen hatten keine Chance. Schade eigentlich.   

Es war einer der letzten, meteorologischen Sommertage. Ein Morgen, Ende August. Die Hitze des Sommers hatte sich verzogen und das, was übrig blieb, war der Geruch von Staub. Zu lange schon, hatte es nicht geregnet. Mein Vorhaben war es, einen Spaziergang durch das Altenoyther Feld zu unternehmen. Nur zu Fuß bekommen wir weit mehr mit, als wir suchen. So schnappte ich mir meine Kamera, zog an dem Rückhaltebecken und den Nilgänsen vorbei und machte mich über die Wege auf ins Feld.  

Der Tau des frischen Morgens hing in den Spinnweben der Nacht. Über die Felder und Wiesen zog eine friedliche Stille. Und obwohl alles so ruhig war, konnte ich kaum Wild entdecken. Vereinzelt liefen Hasen über das Gras, doch meist waren sie zu weit entfernt, als dass es sich gelohnt hätte, ein Foto zu schießen. Es gibt Tage, da ist es so. Draußen unterwegs zu sein, geht am besten ohne Erwartungen. Denn nur so besteht die Möglichkeit, wirklich beschenkt zu werden.

Die Zeichen des enden wollenden Sommers waren an manchen Stellen deutlich zu erkennen. Mag es an der Trockenheit gelegen haben oder daran, dass die Zeit einfach gekommen war. Es spielte keine Rolle, dachte ich doch darüber nach, dass der Herbst schon immer meine liebste Jahreszeit war. Das große Finale der Natur vor dem kommenden Ende. Die Zeit, die einen krönenden Abschluss darstellt, kurz bevor die Welt um mich herum sich zur Ruhe legt. Goldene Farben, buntes Laub, eine Mischung aus allem. 

Ich spazierte entlang der Wege, richtete mein Blick auf die Wiesen und Felder und ließ meine Gedanken schwerelos darüber hinweg fliegen. Woran ich an jenem Tag gedacht habe, das vermag ich heute nicht mehr zu sagen. Sicherlich waren es unwichtige Gedanken, die heute keinerlei Bedeutung mehr in sich tragen. Hier und da nahm ich die Kamera, die schwer in meiner Hand lag und machte ein Foto. Doch das meiste, was ich bei diesem Spaziergang sah, erblickte ich durch meine eigenen Augen. Die Fotografie auf dieser Runde war nebensächlich. 

In diesem Augenblick sitze ich in meinem Büro. Am Schreibtisch. Neben mir das Fenster, durch das die Welt draußen dunkel und grau wirkt. Es regnet. Leise und sacht. Ein Segen, denke ich. Ein Aufatmen, würden sicherlich andere sagen. Und alle hätten sie recht. Mit jedem Tropfen, der vom Himmel fällt, stillt die Erde ihren Durst. Und während sie das tut, hänge ich an meinen Bildern und unternehme eine Zeitreise. Einige Tage zurück. Erinnerungen an Augenblicke, die ich nie im Verstand abgelegt habe.