Beiträge

Stille. Laub, das langsam von den Bäumen fällt. Ein Hund, der glücklich und zufrieden auf seiner Kuscheldecke liegt. Kinder, die voller Phantasie selbstausgedachte Spiele spielen, während die Eltern im Schein des Kamins gut geschriebene Bücher lesen. Aus der Küche strömt der Geruch von frisch aufgesetztem Kaffee.

Gummistiefel anziehen und durch tiefe Pfützen springen. Bunte Schirme aufspannen und im Regen tanzen. Mit den Jungs Kastanien suchen und immer neue Abenteuer erleben. Brennende Kerzen auf die Fensterbank stellen und sich heimlich schon aufs Weihnachtsfest freuen. Kekse backen, Kekse essen. Zeit nehmen für Dinge, die uns manchmal gar nicht so wichtig erscheinen, obwohl sie es eigentlich sind. Und vielleicht fährt man einfach los, irgendwo in Richtung Meer oder einfach an der Küste lang. 

Eine kleine Auszeit.

Vom 01. Oktober bis einschließlich 07. Oktober lege ich den Schalter um. Off. Auszeit. Ruhe, Stille und Erholung. Spielen, lachen, toben. Zeit verschwenden ohne Druck zu haben. Einfach mal nicht erreichbar sein. Und wie gesagt: Kastanien suchen. Und Eicheln. 

Ich mag den Herbst. Mit seinen wechselnden Launen. Mit seinen Stürmen. Und seinen bunten Farben. Ich mag die Sonne, wenn sie abends durch die Zweige bricht und die Melancholie an manchen Tagen, wie sich langsam, dunkel, über die Felder legt. Wenn es langsam kälter wird und man an dunklen Tagen die Lichter des Dorfes sehen kann. Es wird ruhiger. Stiller. Die Erntemaschinen verstummen langsam und in den Häusern und auf den Fensterbänken erleuchten wieder die Kerzen, die leise flüsternd, dass bevorstehende Weihnachtsfest verkünden.

Heute ist Feiertag. Ausnahmsweise. Viele Menschen haben frei. Zeit. Zeit für Freunde. Für die Familie. Für einen Herbstspaziergang. Doch hinter dem Dorf, am Anfang des Horizonts, zeigen sich dunkle Wolken, die Regen bei sich tragen. Wahrscheinlich wird es wieder auf das Kaminfeuer hinauslaufen. Auf eine heiße Tasse Tee, leckeres Gebäck und Geschichten aus Büchern, so wie sie früher schon erzählt wurden. Man gedenkt den Toten, den Verstorbenen, den Menschen die sich einen Platz im Herzen verdient haben. Man wird leise. So, wie man es immer wird. Ende Oktober. Wenn der Winter kommt.

ALLE FOTOS WURDEN MIT DER DJI MAVIC PRO GESCHOSSEN. JETZT BEI AMAZON KAUFEN*

Die Links mit einem * sind Afilliate-Links. Wenn ihr über diese Links etwas kauft, bekomme ich eine kleine Provision.
Für Euch bleibt der Preis natürlich gleich.

Wie jeden Abend spaziere ich mit meinem Hund Andor über den hohen Esch. Nicht weit vom Heiligen Häuschen, dessen alte Gemäuer uralte Geschichten erzählen könnten, lasse ich ihn laufen. Er rennt voraus. Dreht sich um. Und kehrt zu mir zurück. Dann rennt er wieder los. Er tobt sich aus. Plötzlich bleibt er stehen. Sein Blick, auf einen Punkt fokussiert. Seine Nase arbeitet. Jeder Muskel seines Körpers ist angespannt. Er verharrt, ohne einen Laut zu geben und hebt dabei einen Vorderlauf an. Ich habe es ihm nicht beigebracht. Er macht es einfach so. Ich stehe neben ihm, beobachte ihn und es scheint mir fast, als würde die Zeit stillstehen.

„Los.“ Andor springt in das Senffeld. Punktgenau. Er scheucht ein Rebhuhn hoch, das über das Senffeld in die andere Richtung fliegt. Andor kehrt sofort zurück. Er sitzt neben mir, ohne dass ich ihm den Befehl dazu gegeben habe. Jetzt schaut er mich an. Schon fast traurig. Und irgendwie denke ich, dass er denkt: „Warum schießt er nicht?“ Nun ja. Ich bin kein Jäger und habe niemals ein Gewehr dabei. Und während ich mir selbst die Antwort gebe, denke ich, wie schön es wäre, in diesem Augenblick eine Kamera in den Händen zu halten, die ich für den finalen Schuss benutzen könnte. Doch schöne Augenblicke verlangen nicht nach Aufmerksamkeit und manchmal sollte man das, was man sieht, mit den eigenen Augen erleben. Andor ist schon weitergelaufen. Den Weg entlang, den wir immer gehen.

Gedanklich mache ich eine Zeitreise. Zurück ins Jahr zweitausendelf. Heilig Abend. Gegen 17:30 Uhr. Auf dem Esch ist es still. Und dunkel. Die meisten Menschen sitzen in der Dreifaltigkeitskirche und feiern gemeinsam den Gottesdienst. Ich bin draußen. Alleine. Mit meinem Hund. Mein Abendspaziergang. Plötzlich wird Andor nervös. Er schlägt an. Und ich mache mir so meine Gedanken. Draußen. Im Dunkeln. Allerdings schaut Andor in den Nachthimmel. Und genau das tue ich auch.

Ein heller Lichtschweif fliegt langsam über meinen Kopf hinweg. Und ehrlich gesagt, war ich einen Augenblick lang wie festgefroren. Es war Heilig Abend. Der Abend vor Weihnachten. Und am Himmel taucht ein Lichtschweif auf, wie ich ihn aus Beschreibungen der Bibel kenne. Ich bewege mich keinen Meter weiter. Und Andor auch nicht. Ich greife in meine Tasche, hole mein Smartphone raus und versuche zu filmen. Allerdings muss ich feststellen, dass das nicht wirklich funktioniert.

Manches muss man mit den eigenen Augen Sehen

Es ist verwackelt. Unscharf. Zu klein. Schnell packe ich das Gerät weg, denn dieser Augenblick kann so schnell vorbei sein. Doch ich habe Glück. Fast eine Minute fliegt die helle Kugel mit ihrem hellen Schweif am Nachthimmel, bis sie letzten Endes verglüht. Und jede Sekunde davon sehe ich mit meinen eigenen Augen. Ein Komet, denke ich. Doch später stellt sich heraus, dass es Weltraumschrott war, der in jenem Augenblick gut sichtbar im Nachthimmel verglühte.

Seit diesem Augenblick, seit diesem Heiligen Abend, habe ich eine andere Sichtweise auf die Dinge. Wir versuchen jeden Moment festzuhalten, jeden Augenblick einzufangen. Auf Hochzeiten. Auf Konzerten. Hier. Da. Überall wird gefilmt, alles wird eingefangen. Und meist nur, um es später auf den sozialen Netzwerken teilen zu können. Doch wenn wir das machen, wenn wir ein Konzert durch das Display eines Smartphones verfolgen, verpassen wir den wirklichen Augenblick. Das, was wirklich zählt. Wir konzentrieren uns auf unser Gerät, auf das Display, auf Farben und Ton, auf dieses und jenes. Wir spielen im Kopf die Veröffentlichung durch, denken über Klicks und Likes nach und sehen gar nicht, was wirklich passiert. Wir haben verlernt, den Augenblick zu genießen.

Abenddämmerung. Der Tag neigt sich dem Ende.

Jeden Abend gehe ich spazieren. Meistens eine gute Stunde. Meistens da, wo keine Menschen sind. Dort kann Andor rennen, toben, spielen, springen. Dort kann er vorstehen, nachsehen und Bescheid geben. Wir können üben, trainieren und Kommandos studieren. Sitz. Platz. Komm. Bleib. Und meistens – nicht immer – aber meistens, habe ich dann kein Smartphone dabei. Weil ich den Augenblick genießen möchte. Ihn wahrnehmen will. Mit meinen Augen. Denn nur dann, wirklich nur dann, bin ich wirklich da. Im Hier und im Jetzt. Wenn sich der Tag dem Ende neigt und die Ruhe Einzug hält. Eine Ruhe, die nicht mal durch das Schnattern der Wildgänse gestört werden kann.

Manchmal ist es das Lachen der Kinder. Manchmal der Glanz in den Augen unseres Partners. Vielleicht ist es der Geschmack, des heißen Cappuccinos. Oder der Geruch des trockenen Holzes, was langsam im Kamin vor sich hin glimmt. Vielleicht sind es die Vögel, die am Himmel ihre Bahnen ziehen oder die Regentropfen auf den Grashalmen am Wegesrand, in denen sich manchmal die ganze Welt spiegelt. Manchmal sind die großen Wunder einfach Kleinigkeiten.

An diesem Wochenende habe ich frei. Keine Termine. Keine Verpflichtungen. Einfach mal Zeit. Zeit für die kleinen und großen Wunder unserer Welt. Zeit für Kinderlachen und heißen Cappuccino. Zeit für ein warmes Feuer am Kamin. Zeit für die Vögel, die am Himmel fliegen und die Regentropfen auf den Grashalmen. Zeit, mir meine Welt einmal mit viel Phantasie anzuschauen. Hier. Da. Überall.

Kamera: Sony Alpha 7s (http://amzn.to/2huc4rT  *)
Objektiv: Sony SEL1635Z, Weitwinkel-Zoom-Objektiv 16-35 mm (http://amzn.to/2gFiBTd *)

Die Links in der Videobeschreibung mit einem * sind Afilliate-Links. Wenn ihr über die Links etwas kauft, bekomme ich eine kleine Provision. Für Euch ändert sich der Preis nicht.

Der Kalender schweigt immer öfter. Seltener erzählt er von großen Feiern und bunten Lichtern, seltener vom Takt der Musik und vom Schall der Schritte, der über Tanzböden fegt und in den Ohren der Menschen meist unbemerkt verschwindet. Er schweigt und lässt Platz für Träume und Geschichten, für Märchen und Abenteuer. Eine Idee von Kerzenlicht und Spaziergängen über zugefrorene Äcker. Langsam wirft der Regen seine Tropfen an die Scheibe und der Wind spielt im Laub der Bäume. Sein Spiel und sein Rauschen wirft mich aus meinen Gedanken und bringt mich zurück an diesen Ort. Ich drehe die Heizung auf. Zum ersten Mal in diesem Herbst.

Herbst. Ein Wort in bunten Farben. Ein Wort, voller letzter Sonnenstrahlen und noch nicht gestorbenen Hoffnungen. Ein Wort, das seine Träume an der einen und die Melancholie an der anderen Hand hält. Herbst. Ein Wort, das ein Bild der Veränderung malt und mit ihm die Geschichten von Kerzen und Wärme, von Dunkelheit und Kälte erzählt. Ein Wort voller Gegensätze. Ein Lieblingswort.

Es ist diese Schwere, die ich spüre. Und die Sonnenstrahlen, die durch das Fenster scheinen. Es ist der Wind, der an den Läden rüttelt und die Klarheit, die meine Lungen füllt. Ich fahre den Rechner runter, drehe die Heizung aus. In dem alten Schrank, im Zimmer unterm Dach, hängt meine Jacke. Mit ihr unterm Arm entfliehe ich dem einen Abenteuer und stürze mich ein anderes. An diesem schönen Tag. Am Anfang vom Herbst. Und vielleicht erzähle ich Dir diese Geschichte. Vielleicht.