ÜBER MICH

Torsten Luttmann

Es ist nicht einfach, den Ort zu finden,
an dem Du Dir selbst richtig zuhören kannst.

Irgendwo, zwischen hohen Fichten und alten Buchen, meist einsam und verlassen, liegt dieser Ort. Ein stiller Platz an dem ein kleiner See friedlich schlummert. Im Sommer spiegelt sich das Licht auf dem klaren Wasser, im Herbst schickt der Wind sanfte Wellen über die sonst glatte Oberfläche. Dort lasse ich mich gelegentlich nieder, bleibe sitzen und warte, bis meine Unruhe und das Bedürfnis zu fliehen verschwunden ist. Erst dann, wenn es in mir selbst ganz still wird, finde ich die tiefe Ruhe, die ich brauche, um mir selbst wirklich zuhören zu können.

Hey. Hallo. Mein Name ist Torsten Luttmann. Aber Torsten reicht vollkommen, womit wir gleich beim Punkt wären, ich duze Dich von hier an. Und solltest Du mich irgendwo treffen, dann tue das bitte auch. Ich bin nicht Dein Chef, nicht Dein Vorgesetzter und nicht der Bundeskanzler. Mir geht es nicht um die Einhaltung von Konventionen. Mir geht es darum, dass das Leben Spaß macht und es sich im Ganzen richtig anfühlt. Gesiezt zu werden fühlt sich für mich nicht richtig an. Das tat es nie.

1981, im Mai geboren, bin ich sehr ländlich aufgewachsen. In einem Dorf im Oldenburger Münsterland. Mitten in Niedersachsen. Eine gute Stunde von der Nordsee entfernt. Meine Eltern hatten damals schon einen kleinen Hof. Mit ein paar Tieren. Diese wurden meist von meiner Mutter versorgt. Mein Vater arbeitete als Zimmermann. Noch heute kann er wunderbare Dinge aus Holz erschaffen. Ein Talent, welches er mir leider nicht in die Wiege gelegt hat. Aber das macht nichts. Ich fotografiere und schreibe gerne, was auf die ein oder andere Art und Weise ja ebenfalls ein Handwerk darstellt.

Mittlerweile bin ich vierzig Jahre alt und meine Kindheit unfassbar lange her. Manchmal frage ich mich, wo die Zeit geblieben ist. Zwar kann ich die Finger des Todes noch nicht auf meinen Schultern spüren, aber ich bin mir sicher, dass er bereits neben mir stand und einen ernsten Blick auf mich geworfen hat. Doch solange er mir Zeit lässt, damit ich ein noch paar Dinge erleben darf, soll es mir recht sein.

Achte auf den Kompass. Nicht auf die Uhr.

Für mich gibt es nichts Schöneres, als meine Zeit draußen zu verbringen. An der frischen Luft. Irgendwo auf den Wiesen, am Rande der Felder oder tief in den Wäldern. Wenn ich draußen bin, fotografiere, meine Gedanken fliegen lasse oder einfach nur den Augenblick genieße, wenn ich dem Wind in den Bäumen lausche und die ganze Schönheit der Natur beobachte, dann passiert etwas mit mir. Ich fühle mich frei. Zufrieden. Glücklich. Angekommen und angenommen.

Ich glaube daran, dass Du draußen anfängst, auf Deinen Kompass zu achten. Nicht auf die Uhr. Du begreifst, dass die Richtung entscheidend ist. Nicht die Zeit. Statt Dich auf Ziele zu fixieren und nur in der Zukunft zu leben, nimmst Du den Augenblick bewusster wahr. Du hörst auf, Dinge zu verpassen und stellst fest, dass Du weniger brauchst, als Du je gedacht hast. Je länger Du draußen bist, desto mehr kommst Du bei Dir selbst an.

Vielleicht arbeite ich deswegen so gerne als Fotograf. Weil ich durch die Fotografie gelernt habe, meinen Fokus zu setzen. Weil ich begriffen habe, dass der Blickwinkel entscheidend ist und die Richtung den Unterschied macht. Ich glaube, wenn wir alle damit beginnen, die Natur wirklich zu erleben, dann sehen wir unsere Welt mit anderen Augen. Wir beginnen diesem Planeten mit Respekt und Demut zu begegnen und fangen an, mehr auf ihn zu achten.

TORSTEN LUTTMANN © 2022 | briefkasten@torsten-luttmann.de