Wochenende

· Freie Zeit ·

Es riecht nach Bratwurst, Feierabend und guter Laune. In der Halle des Unternehmens trifft man auf strahlende Gesichter und entspannte Freude. Die letzten Mitarbeiter positionieren sich vor meiner Kamera. Dann wird endlich gefeiert. Der Chef hatte Geburtstag und gibt einen aus. Es ist Freitag. 13:00 Uhr. Der letzte Hammer fällt. Wochenende. Und ich? Packe meine Sachen ein.

„Bleib doch noch,“ sagt der Marketingverantwortliche zu mir. „Es gibt Bratwurst, Bier und für Dich bestimmt eine Cola. Oder Wasser. Was Du magst.“ Ich winke dankend ab. Obwohl ich Bratwurst und Cola sehr zu schätzen weiß und wirklich erfreut bin, über die Einladung. Aber ich bin kein Teil des Unternehmens. Kein Mitarbeiter. Und ich trage nur minimal am Erfolg des Unternehmens bei. Nein. Das ist nicht meine Feierstunde. Es ist die Stunde des Inhabers, die Stunde der Mitarbeiter. Ich fahre nach Hause. Glücklich. Zufrieden.

Zuhause sitzt mein Hund auf der Treppe. Er erkennt mein Auto am Klang. Ungeduldig wartet er im Eingangsbereich. Kurz darauf stürmen unsere Jungs zur Tür. Auch sie freuen sich, dass ich wieder zu Hause bin. Ganz ehrlich? Das ist Luxus. Das ist, was man für kein Geld der Welt kaufen kann. Lachende Gesichter. Ein aufgeregter Hund. Freude darüber, dass man nach Hause kommt. Und selbst wenn man den Euro-Jackpot knacken würde, mit all dem Geld könnte man das nicht kaufen.

Ich flitze noch kurz ins Büro. Daten sichern. Mitarbeiterfotos. Und während der Rechner die Fotos des heutigen Tages auf die Festplatten kopiert, schreibe ich diese Zeilen. Gleich ist es soweit. Wochenende. Freie Zeit. Ich denke, dass ich heute Abend, wenn hier alle schlafen, noch einen Augenblick ins Büro gehen werde. Für ein anderes Unternehmen muss ich noch etwas an der Webseite ändern. Stellenausschreibungen. Die Firma sucht händeringend nach Mitarbeitern. Es wächst. Gedeiht. Die Auftragslage ist sehr gut.

Nur Mitarbeiter sind schwer zu finden. Das ist anscheinend so, in diesen Tagen. Ich habe das in den letzten Wochen schon sehr oft gehört. Steuerberater, Elektroniker, Pflegedienste, Bauunternehmen – sie alle haben gerade viel zu tun und zu wenig unterstützende Hände. Manchmal frage ich mich, warum das so ist. Aber eine Antwort kann ich nur erahnen.

Heißer Tee. Kaminfeuer. Und Kinderlachen.

Nur noch ein paar Fotos. Dann ist die Sicherung durch. Es riecht nach heißem Tee und Kaminfeuer. Nach kalter Luft und Spaß. Mit den Jungs werde ich im Garten toben, mit dem Hund spazieren gehen. Dann werde ich zu Abend essen und vielleicht ein Buch lesen. Vielleicht werde ich auch einfach nur die Füße hochlegen und mir, zusammen mit meiner Frau, einen Film ansehen. Mal schauen.

Es sind die letzten freien Wochenenden vor der kommenden Hochzeitssaison. Wenn es draußen wieder wärmer wird und die Sonne sich hoffentlich öfter zeigen wird, dann wird geheiratet. Und in diesem Jahr bin ich wieder des Öfteren im Einsatz. Es wird sogar mal an die Nordsee gehen, an den Strand. Darauf freue ich mich schon. Aber bis es soweit ist, genieße ich die Zeit. Heute. Jetzt. Ich mache Wochenende. Feierabend. Und vielleicht, wenn ich Lust habe, schmeiße ich noch ne Wurst auf den Grill. Vielleicht. Keine Ahnung.

Schönes Wochenende. Habt eine tolle Zeit. Das wünsche ich Euch. 

11. Februar 2018

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